
A little less conversation, a little more action, pleaseFür eine starke antifaschistische BewegungIm Kontext des Todestages von Friedhelm Busse am 23. Juli ist in Passau mit Naziaktivitäten zu rechnen. Nicht nur am 23. Juli, sondern auch am darauffolgenden Wochenende könnte die Dreiflüssestadt Schauplatz eines überregionalen Naziaufmarsches werden. Bereits in der Vergangenheit gab es rund um den Todestag des Alt-Nazis Aktionen der niederbayerischen Naziszene.
Busse war unter anderem Freiwilliger der Waffen-SS, Bundesvorsitzender der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) und Mitglied der NPD. Bei seiner Beerdigung 2008 legte das damalige NPD-Vorstandsmitglied Thomas Wulff eine Hakenkreuzfahne in sein Grab. Ein anwesender Journalist wurde durch mehrere Neonazis schwer verletzt. Am Grab Friedhelm Busses befindet sich bis dato kein Grabstein, ein Zustand den Vertreter der deutschen Naziszene jetzt ändern wollen. Die „Nationalisten Vorderpfalz“, namentlich der Mannheimer Christian Hehl und der Ludwigshafener Malte Redeker sammelten bis vor kurzem Spenden, um Busse einen Grabstein in Form eines Buches zu spendieren. Die Kosten hierfür wurden mit ca. 500 Euro angegeben.

Busse: Bundesweit bekannter Nazi – Überregionales Interesse
Christian Hehl aus Ludwigshafen, wie Busse Mitglied in FAP und NPD, begann seine Aktivitäten in der extrem rechten Szene als Hooligan und Nazi-Skinhead bei „The Firm“, einer Hooligan-Vereinigung des SV Waldhof Mannheim. Er kandidierte bei Wahlen mehrfach für die NPD und war Mitglied des in Deutschland verbotenen Neonazinetzwerks Blood and Honour. Der „Aktionsbüro Rhein-Neckar“-Kader und Europachef der „Hammerskins“, Malte Redeker, verwaltet die Spenden. Redeker ist Inhaber der „Gjallarhorn Klangschmiede“ (GKS), einem neonazistischen Musiklabel und Organisator von internationalen Nazikonzerten.
Dies zeigt, dass das Gedenken an Busse, welches vor allem Thema regionaler Nazis ist, auch überregionale Relevanz besitzt. So gab es in der Vergangenheit immer wieder Aktionen, Aufmärsche bzw. Aufmarschversuche im Kontext des Busse – Todestages. Höhepunkt stellten dabei die Ereignisse im Juli 2012 dar, als im Zuge einer von der Polizei verwehrten Kranzniederlegung am Grab Busses, Nazis aus dem Umfeld des NBN, in den späten Abendstunden des 23. Juli, dem Todestag Busses, eine Spontandemo mit ca. 20 Teilnehmer_innen durch die Passauer Innenstadt durchführten. Am darauffolgenden Wochenende kam es zu weiteren Aufmarschversuchen in mehreren Städten in Niederbayern, die von einem Großaufgebot der Polizei gestoppt wurden.

Die Naziszene in Niederbayern
Die Ereignisse rund um den Todestag von Busse reihen sich dabei ein in eine Vielzahl von Aktivitäten der hiesigen Naziszene, welche bis Anfang 2013 unter dem Namen „Nationales Bündnis Niederbayern“ agierte, ein. Das „Nationale Büdnis Niederbayern“ ist dabei ein Kameradschaftsdachverband – ähnlich wie das „Freie Netz Süd“ -, dem Kameradschaften aus niederbayerischen Städten und Dörfern angehören. Es tritt insbesondere durch Flugblattverteilungen, Demonstrationen, Kundgebungen aber auch durch Einschüchterung und Angriffsversuche, welche mindestens aus dem Umfeld des NBN erfolgten, in Erscheinung.
Seit Anfang 2013 gibt es mit dem „Infoportal Niederbayern“ eine neue Internetseite, auf der, ähnlich wie auf der Seite des NBN, über Aktionen der niederbayerischen Naziszene aber auch „szenerelevante“ Themen, berichtet wird. Allerdings steckt hinter dem Infoportal nach wie vor die niederbayerische Kameradschaftsszene (maßgeblich das Umfeld des NBN), welche sich, wohl auch unter dem Druck eines anstehenden Verbotsverfahrens des „Freien Netz‘ Süd“, mit all seinen Unterorganisationen, einen neuen Namen und eine neue Erscheinung zugelegt hat.

Nazis und ihre Freiräume bekämpfen
Auch die Infrastruktur auf die Nazis in Niederbayern durch Locations und NPD Kontakte zurückgreifen können, hat sich trotz neuem Namen nicht geändert. So bietet das Gasthaus Gruber in Deggendorf immer wieder Platz für Veranstaltungen, die früher auf der Seite des NBN und nun vom Infoportal Niederbayern beworben werden.
Wenn Nazis Freiräume gewährt werden, wenn sie ohne Gegenwehr Flyer mit ihren kruden Thesen verbreiten, marschieren und damit nach innen und außen Stärke demonstrieren, oder auch nur gemütlich zusammensitzen und sich über ihr Weltbild austauschen können, entsteht eine Atmosphäre in der jeder Mensch, der nicht in ein solches Weltbild passt mit Gewalt zu rechnen hat. Gewalt deshalb weil die nationalistische, rassistische und sexistische Ideologie von Nazis auf Vernichtung, Konkurrenz und Verwertbarkeit basiert. Konsequenter Antifaschismus als Antwort ist dabei nicht das Bekämpfen einer irgendwie anders gearteten Gruppe, sondern die einzig logische Reaktion hin zu einer befreiten Gesellschaft. Er ist Akt der Solidarität mit allen, die in welcher Form auch immer unter der Gewalt von Nazis leiden.
Am 27. Juli ist es wichtig zu zeigen, dass den Nazis weder in Niederbayern noch anderswo auch nur ein Zentimeter zugestanden werden darf. Für eine befreite Gesellschaft!